23. März 2026

Mit dem Herzen denken: Petra Kelly (1947 – 1992)

„Die Mittel sollen die Ziele bestimmen, und die Ziele die Mittel,“ schreibt Petra Kelly 1990. Das Mittel ist der zivile Ungehorsam, das Ziel eine gerechte, gewaltfreie Welt. Als Politikerin gilt Kelly zu diesem Zeitpunkt als gescheitert. Sie ist nach acht Jahren nicht mehr für die Bundestagswahl nominiert worden. Das hat mit ihrem Verständnis von Politik zu tun. Es basiert auf Gewaltlosigkeit, Respekt, Moral und Kommunikation. Kelly glaubt an die Zivilgesellschaft als Korrektiv der Macht und Treiberin einer Politik, die die Welt im Blick hat und in den grossen Zusammenhängen denkt. Denn es geht nicht nur, wie in den 1980er-Jahren, um Abrüstung, Umweltschutz oder Feminismus, sondern ums Ganze, um die Vision einer Welt, die nach Frieden und Gerechtigkeit strebt. Der deutsche Bundestag, dem sie acht Jahre angehört hat, ist für sie nur eine der Bühnen, auf denen die hochbegabte, prinzipienfeste, belesene, spirituelle und zutiefst menschlich handelnde Frau sich bewegt. Im sehenswerten Dokumentarfilm «Petra Kelly. Act Now!» von Doris Metz sieht man sie als begeisternde Rednerin vor Hunderttausenden im New Yorker Central Park oder am runden Tisch mit dem damaligen DDR-Staatschef Erich Honecker, wo sie ein T-Shirt mit der Aufschrift «Schwerter zu Pflugscharen», dem Slogan der DDR-Friedensbewegung, trägt – und kein Blatt vor den Mund nimmt. Man begegnet ihr im Kreis ihrer Familie: lebensfroh und liebenswert.
«Wir leben alle in einer Welt, und dieser Welt müssen wir eine Seele einhauchen. Petra hat das genau verstanden. Sie wusste, dass die Beziehung der Menschen zur Erde entscheidend dafür ist, wie wir miteinander umgehen,» erinnert sich der Aktivist für Menschenrechte und Umweltschutz, Milo Yellow Hair vom Stamm der Lakota im US-amerikanischen Bundesstaat South-Dakota. Kelly hatte die Lakota in ihrem Kampf gegen den Uranabbau auf ihrem Stammesgebiet unterstützt und ihnen verschlossene Türen zum Bundestag und zu den Vereinten Nationen geöffnet. Da hat sie den Fokus ihres politischen Handelns schon von der innerdeutschen auf die globale Politik ausgeweitet. Sie engagiert sich für die Rechte indigener Völker, etwa der Maya in Guatemala oder die Aboriginals in Australien, unterstützt die tibetische Unabhängigkeitsbewegung, und sie setzt sich ein für ein Ende der Militärdiktaturen in Lateinamerika und des Apartheid-Regimes in Südafrika. «Mit dem Herzen denken» lautet der Titel ihres 1990 erschienen Buches, das eine Reihe von Texten «für eine glaubwürdige Politik» vereint. «Beginne dort, wo du bist, warte nicht auf bessere Umstände. Sie kommen automatisch, in dem Moment, wo du beginnst», schreibt sie. «Denn die Probleme der Politik sind nicht mit Taktik zu lösen, sie liegen nicht irgendwo da draussen, sie liegen in uns. Wir müssen uns daher selber verändern.»

Petra Kelly verlang an einer Grossdemonstration 1982, dass die Bundesregierung die Stationierung von Mittelstreckenraketen auf dem Gebiet der BRD verweigert. Hunderttausende nehmen an den Friedensmärschen teil.

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